Senioren & Prävention
Sturzprävention für Senioren: Übungen, Wohnraum-Tipps und wann zum Arzt
Physio2Go-Redaktion · 24. Juni 2026
Viele ältere Menschen kennen das Gefühl: Der Gang über den nassen Hof wird vorsichtiger, im Dunkeln tastet die Hand nach dem Geländer, und nach einem ersten „Beinahe-Sturz“ sitzt die Sorge tief. Diese Unsicherheit ist verständlich – und sie ist zugleich eine Weggabelung. Denn wer aus Angst vor dem Stürzen weniger geht, weniger steht und weniger zugreift, verliert mit der Zeit genau die Kraft und das Gleichgewicht, die vor dem nächsten Sturz schützen. So entsteht ein Teufelskreis, der sich von selbst verstärkt.
Die gute Nachricht: Dieser Kreis lässt sich durchbrechen. Stürze im Alter sind keine unausweichliche Folge des Älterwerdens, sondern in vielen Fällen vermeidbar. Gezieltes Training von Kraft und Gleichgewicht kann das Sturzrisiko nachweislich senken, und eine sicher eingerichtete Wohnung nimmt einen großen Teil der typischen Gefahren von vornherein weg.
Dieser Ratgeber richtet sich an ältere Menschen, die aktiv vorbeugen wollen, und an Angehörige, die sich sorgen. Sie erfahren, warum ältere Menschen stürzen, mit welchen Übungen Sie Stand und Gang sicherer machen, wie Sie Ihre Wohnung Schritt für Schritt entschärfen, wann ein Sturz oder Schwindel ärztlich abgeklärt gehört – und wie wir Sie dabei in Gelsenkirchen unterstützen, in der Praxis oder direkt bei Ihnen zuhause.
Stürze im Alter: häufig, folgenreich – und oft vermeidbar
Stürze sind im höheren Alter die häufigste Ursache für Verletzungen – und sie kommen häufiger vor, als viele denken. Nach Daten des Robert Koch-Instituts ist in Deutschland rund jeder vierte Mensch ab 65 Jahren innerhalb eines Jahres mindestens einmal gestürzt; ab 80 Jahren ist es etwa jeder Dritte. Ein Teil dieser Stürze wiederholt sich sogar mehrmals im Jahr.
Was einen Sturz im Alter so ernst macht, sind seine Folgen. Was in jüngeren Jahren mit einem blauen Fleck endet, kann später zu einem Knochenbruch führen – gefürchtet ist vor allem der Oberschenkelhalsbruch. Oft ist nicht der Bruch allein das Problem, sondern die Kette danach: Krankenhaus, längere Bewegungspause, Verlust an Kraft und Sicherheit, im schlimmsten Fall der Verlust der Selbstständigkeit. Schon die Angst vor einem weiteren Sturz verändert den Alltag spürbar.
Genau deshalb lohnt sich Vorbeugung. Fachgesellschaften gehen davon aus, dass sich ein erheblicher Teil der Stürze durch gezielte Maßnahmen vermeiden ließe; Fachleute der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie beziffern das Potenzial rund um die erste weltweite Sturz-Leitlinie von 2022 sogar so, dass sich sturzbedingte Krankenhauseinweisungen durch frühzeitige Prävention um etwa ein Fünftel senken ließen. Sturzprävention ist damit keine Frage des Schicksals, sondern etwas, das man aktiv in die Hand nehmen kann.
Vorbeugen wirkt – und beginnt früher als gedacht
Man muss nicht warten, bis etwas passiert ist. Wer Kraft, Gleichgewicht und eine sichere Wohnumgebung schon dann pflegt, wenn es noch gut läuft, hält seine Selbstständigkeit länger. Die genannten Zahlen stammen vom Robert Koch-Institut, vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (vormals BZgA) und von Fachgesellschaften (Quellen am Ende) – sie zeigen ein Risiko, aber vor allem einen Hebel.
Warum stürzen ältere Menschen? Die Ursachen sind meist multifaktoriell
Ein Sturz hat selten eine einzige Ursache. Meist kommen mehrere Faktoren zusammen, die sich gegenseitig verstärken – Fachleute sprechen von einem multifaktoriellen Geschehen. Man unterscheidet dabei grob zwischen inneren Faktoren, die im Menschen selbst liegen, und äußeren Faktoren aus der Umgebung.
Der wichtigste innere Faktor ist der altersbedingte Abbau von Muskelkraft, den Fachleute Sarkopenie nennen. Lässt die Kraft in Beinen und Rumpf nach, fällt das Aufstehen schwerer, der Gang wird unsicherer, und ein Stolpern lässt sich schlechter abfangen. Hinzu kommt, dass das Gleichgewichtssystem im Alter langsamer reagiert: Augen, Innenohr und die Rückmeldung aus Muskeln und Gelenken – die sogenannte Tiefenwahrnehmung – arbeiten weniger präzise zusammen. Auch eine nachlassende Sehkraft, Schwindel sowie ein niedriger oder schwankender Blutdruck erhöhen das Risiko.
Ein oft unterschätzter Punkt sind Medikamente. Wer viele verschiedene Präparate gleichzeitig einnimmt (Fachleute nennen das Polypharmazie), hat ein höheres Sturzrisiko – besonders bei Mitteln, die müde machen, den Kreislauf beeinflussen oder den Blutdruck senken. Solche Wechselwirkungen gehören in ärztliche Hände und sollten nicht in Eigenregie geändert werden, sind aber ein wichtiger Ansatzpunkt.
- nachlassende Muskelkraft in Beinen und Rumpf (Sarkopenie)
- ein langsameres, ungenaueres Gleichgewichtssystem
- eingeschränkte Sehkraft – Kontraste und Stufen werden schlechter erkannt
- Schwindel sowie ein niedriger oder stark schwankender Blutdruck
- mehrere Medikamente gleichzeitig, vor allem beruhigende oder kreislaufwirksame
- Vorerkrankungen wie Parkinson, Diabetes mit Nervenschäden oder eine beginnende Demenz
- ein bereits vorausgegangener Sturz – er ist einer der stärksten Warnhinweise
| Risikofaktor | Warum er das Sturzrisiko erhöht | Was sich tun lässt |
|---|---|---|
| Muskelschwäche | weniger Halt beim Stehen, Gehen und Abfangen | Kraft- und Gleichgewichtstraining |
| Gleichgewichtsstörungen | kleine Wackler werden schlechter ausgeglichen | Balancetraining, Gangschulung |
| Schlechtes Sehen | Stolperfallen und Stufen werden zu spät erkannt | Sehtest, passende Brille, gute Beleuchtung |
| Medikamente, Schwindel | Benommenheit, Kreislaufschwankungen | ärztlicher Medikamenten-Check |
| Stolperfallen im Haus | lose Teppiche, Kabel, schwaches Licht | Wohnung sicher einrichten (siehe unten) |
| Unsicheres Schuhwerk | Schlappen und glatte Sohlen geben wenig Halt | feste, rutschfeste Schuhe |
Die entscheidende Botschaft: Fast alle diese Faktoren lassen sich beeinflussen. Genau hier setzt Sturzprävention an – sie arbeitet an mehreren Stellschrauben gleichzeitig, statt nur an einer.
Wie hoch ist mein Sturzrisiko? Zwei einfache Selbsttests
Wie hoch das eigene Sturzrisiko ist, lässt sich mit zwei einfachen Tests grob einschätzen – als Orientierung, nicht als Diagnose. Führen Sie sie nur durch, wenn Sie sicher stehen, und sichern Sie sich an einer stabilen Lehne oder im Beisein einer zweiten Person ab.
- Aufsteh-Test: Setzen Sie sich auf einen festen Stuhl und stehen Sie fünfmal hintereinander auf und wieder hin – wenn möglich ohne die Hände, die Arme vor der Brust verschränkt. Brauchen Sie dafür deutlich länger als etwa 15 Sekunden oder gelingt es nur mit Abstützen, ist die Beinkraft ein lohnendes Trainingsziel.
- Standtest: Versuchen Sie, mit eng zusammenstehenden Füßen ruhig zehn Sekunden zu stehen, danach im Tandemstand (eine Ferse direkt vor die Zehen des anderen Fußes). Müssen Sie einen Ausfallschritt machen oder sich festhalten, lohnt sich gezieltes Gleichgewichtstraining.
Solche Tests – Fachleute nutzen ähnliche, etwa den „Aufsteh-und-Geh-Test“ – ersetzen keine Untersuchung. Wenn Sie sich unsicher fühlen, schon gestürzt sind oder mehrere Risikofaktoren auf Sie zutreffen, lassen Sie sich ärztlich oder physiotherapeutisch beraten. Dann lässt sich ein Training planen, das genau zu Ihrem Befund passt.
Der Teufelskreis der Sturzangst
Ein Sturz hinterlässt oft mehr als eine Prellung: Er hinterlässt Angst. Viele Menschen, die einmal gestürzt sind, werden vorsichtiger – sie meiden Treppen, gehen seltener vor die Tür, verzichten auf den Spaziergang bei Regen. Das ist verständlich, hat aber einen Haken.
Wer sich aus Angst schont, bewegt sich weniger. Weniger Bewegung bedeutet weniger Kraft und ein schlechteres Gleichgewicht – und gerade das erhöht das Sturzrisiko zusätzlich. So entsteht ein Teufelskreis: Angst führt zu Schonung, Schonung zu Schwäche, Schwäche zu mehr Stürzen und damit zu noch mehr Angst. Häufig kommt sozialer Rückzug dazu, weil Unternehmungen vermieden werden.
Schonung ist keine Lösung
So nachvollziehbar der Wunsch nach Vorsicht ist – sich einzuigeln verschärft das Problem. Den Kreislauf durchbricht man nicht durch weniger, sondern durch das richtige Maß an Bewegung: dosiertes, sicheres Training, das Schritt für Schritt Kraft, Gleichgewicht und damit Selbstvertrauen zurückbringt. Niemand muss das allein und auf einmal schaffen – angeleitet und in kleinen Schritten gelingt es am besten.
Dieser Mut zur Bewegung ist kein Leichtsinn. Es geht nicht darum, Risiken zu ignorieren, sondern darum, den Körper wieder so stark und sicher zu machen, dass er Alltagssituationen souverän meistert. Genau das ist das Ziel von Sturzprävention.
Was Physiotherapie zur Sturzprävention beiträgt
Gezieltes Kraft- und Gleichgewichtstraining kann das Sturzrisiko nachweislich senken – das ist unter den vielen Ratschlägen zum Thema der am besten belegte. Das unabhängige Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) fasst die Studienlage so zusammen, dass strukturierte Trainingsprogramme Stürzen vorbeugen können; besonders wirksam sind Gang- und Gleichgewichtstraining, Krafttraining und Übungsformen wie Tai-Chi. Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht, aber einen gut untersuchten Nutzen.
Physiotherapie setzt genau hier an. Nach einem Befund – wie steht es um Kraft, Gleichgewicht, Gangbild und Sicherheit? – stellen wir ein Training zusammen, das fordert, ohne zu überfordern, und das mit der Zeit gesteigert wird. Die wichtigsten Bausteine sind:
- progressives Krafttraining, vor allem für Beine, Hüfte und Rumpf – die Muskeln, die uns aufrecht halten und tragen
- Gleichgewichts- und Standtraining, das gezielt schwieriger wird (festhalten, dann loslassen, kleinere Standfläche)
- Gangschulung: sicheres Gehen, Drehen, Stehenbleiben und Hindernisse übersteigen
- Dual-Task-Training – gehen und gleichzeitig eine zweite Aufgabe lösen, weil im Alltag selten nur eine Sache passiert
- Beratung zu Hilfsmitteln und zur sicheren Wohnung
Warum angeleitet und nicht einfach allein? Weil Dosierung und Steigerung entscheiden. Zu leicht bringt wenig, zu schwer ist gefährlich. Eine Therapeutin erkennt, wann eine Übung sicher gesteigert werden kann, korrigiert die Ausführung und gibt die Sicherheit, sich auch an Grenzbereiche heranzutrauen – kontrolliert und mit Halt in Reichweite. Geht es dagegen um eine neurologische Erkrankung wie nach einem Schlaganfall, ist KG-ZNS der passende Weg; dieser Ratgeber richtet sich an Menschen, die ohne solche Grunderkrankung vorbeugen wollen.
Sichere Übungen für zuhause: Schritt für Schritt
Die wirksamsten Übungen für zuhause verbinden Kraft (Aufstehen vom Stuhl, Wadenheben) mit Gleichgewicht (Tandem- und Einbeinstand) und sicherem Gehen. Sie lassen sich gut zuhause durchführen – wenn Sie ein paar Sicherheitsregeln beachten. Stellen Sie sich immer an eine stabile Haltemöglichkeit (Stuhllehne, Küchenzeile, Waschbecken), sorgen Sie für festen, rutschfreien Stand und feste Schuhe, und üben Sie nur im schmerz- und schwindelfreien Bereich. Wenn Sie sich sehr unsicher fühlen oder allein sind, beginnen Sie lieber unter Anleitung. Qualität geht vor Menge.
Aufstehen vom Stuhl ohne Hände
Setzen Sie sich an die vordere Kante eines festen Stuhls, die Füße hüftbreit und etwas zurück. Stehen Sie langsam auf, ohne sich mit den Händen abzustützen, und setzen Sie sich kontrolliert wieder hin. Falls es ohne Hände nicht geht, nutzen Sie zunächst die Lehne. Acht bis zehn Wiederholungen kräftigen die Oberschenkel – die wichtigste „Aufstehmuskulatur“.
Gewicht verlagern im sicheren Stand
Stehen Sie hüftbreit hinter einer Stuhllehne und legen Sie die Hände leicht auf. Verlagern Sie das Gewicht langsam nach vorne auf die Fußballen, dann zurück auf die Fersen, anschließend von einem Bein zum anderen. Das trainiert die feinen Ausgleichsbewegungen, die einen Wackler abfangen. Jeweils acht bis zehn langsame Wechsel.
Tandemstand (Seiltänzer-Stellung)
Stellen Sie einen Fuß direkt vor den anderen, sodass Ferse und Zehen sich berühren, eine Hand an der sicheren Lehne. Halten Sie die Position ruhig 10 bis 20 Sekunden, dann wechseln Sie die Füße. Wird es leichter, lösen Sie die Hand kurz – aber nur, wenn die Haltemöglichkeit in Reichweite bleibt.
Einbeinstand am Waschbecken
Halten Sie sich mit beiden Händen am Waschbecken oder an einer stabilen Fläche fest und heben Sie ein Bein wenige Zentimeter an. Halten Sie kurz, stellen Sie es wieder ab, dann das andere Bein. Mit der Zeit reduzieren Sie den Halt auf eine Hand und schließlich auf zwei Finger. So wächst das Gleichgewicht mit – sichern Sie sich dabei immer ab.
Fersen- und Zehenstand (Wadenpumpe)
Im Stand hinter der Lehne heben Sie sich langsam auf die Zehenspitzen, halten kurz und senken kontrolliert ab; danach verlagern Sie das Gewicht auf die Fersen und heben die Fußspitzen. Das kräftigt Waden und Schienbein und verbessert die Stabilität im Sprunggelenk. Zehn bis zwölf ruhige Wiederholungen.
Sicher gehen üben (Tandemgang)
Gehen Sie an einer Wand oder Küchenzeile entlang ein paar Schritte „auf der Linie“, indem Sie eine Ferse dicht vor die Zehen des anderen Fußes setzen. Blick nach vorn, nicht auf die Füße. Das schult den sicheren, schmalen Gang – beginnen Sie mit wenigen Schritten und steigern Sie langsam.
Bei Schwindel oder Schmerz: Pause machen
Brechen Sie eine Übung sofort ab, wenn Ihnen schwindelig wird, Schmerzen auftreten oder Sie unsicher werden. Üben Sie nie über die Erschöpfung hinaus. Wenn Sie nicht sicher sind, welche Übungen für Sie geeignet sind – etwa bei starker Sturzangst, nach einem Sturz oder bei Vorerkrankungen – lassen Sie sich ein passendes Programm zusammenstellen.
Wohnung sicher machen: der Hausbesuch-Vorteil
Ein großer Teil der Stürze im Alter passiert nicht draußen, sondern in den eigenen vier Wänden – an Stolperfallen, die man im Alltag gar nicht mehr wahrnimmt. Genau hier liegt eine der wirksamsten und am leichtesten umsetzbaren Maßnahmen: die Wohnung sicher einrichten.
Das ist zugleich der Punkt, an dem ein Hausbesuch unschlagbar ist. In der Praxis lässt sich vieles üben – aber ob der Läufer im Flur rutscht, das Treppenlicht zu schwach ist oder der Weg zum Bad nachts zur Stolperstrecke wird, sieht man erst vor Ort. Beim Hausbesuch gehen wir die Wohnung gemeinsam durch und entschärfen Gefahren dort, wo sie tatsächlich entstehen.
| Bereich | Typische Gefahr | Was hilft |
|---|---|---|
| Böden und Wege | lose Teppiche, Läufer, Kabel, Türschwellen | Teppiche fixieren oder entfernen, Kabel verlegen, Wege frei halten |
| Beleuchtung | dunkle Flure und Treppen, Weg zum Bad nachts | helle Lampen, Nachtlicht, Schalter gut erreichbar |
| Treppe | fehlender oder einseitiger Handlauf | stabiler Handlauf, möglichst beidseitig, Stufenkanten markieren |
| Bad und WC | glatte, nasse Flächen, niedriges Sitzen | Haltegriffe, rutschfeste Matten, bei Bedarf erhöhter WC-Sitz |
| Küche und Ablagen | Dinge zu hoch, Aufsteigen auf Hocker | Häufiges in Greifhöhe, kein Klettern auf Stühle oder Hocker |
| Schuhe und Kleidung | Schlappen, glatte Sohlen, zu lange Hosen | feste, rutschfeste Schuhe, gut sitzende Kleidung |
- Liegt irgendwo ein loser Teppich oder ein Kabel im Weg?
- Ist der nächtliche Weg zum Bad gut beleuchtet?
- Gibt es an Treppe, Bad und WC etwas Stabiles zum Festhalten?
- Tragen Sie auch in der Wohnung feste Schuhe statt Schlappen?
Tipp aus unserer Praxis
Machen Sie den Rundgang einmal bewusst „mit den Augen eines Sturzes“: Gehen Sie Ihre üblichen Wege ab – morgens zum Bad, nachts in die Küche – und fragen Sie sich an jeder Stelle, wo Sie sich festhalten würden, wenn Sie ins Wanken kämen. Wo die Antwort „nirgends“ lautet, fehlt entweder Halt oder es liegt eine Stolperfalle. Beim Hausbesuch machen wir diesen Rundgang gemeinsam.
Wann Sie ärztlich abklären lassen sollten
Notfall nach einem Sturz – wählen Sie 112
Rufen Sie nach einem Sturz sofort den Notruf 112, wenn die Person bewusstlos war oder verwirrt ist, wenn der Kopf aufgeschlagen ist, bei starken Schmerzen oder Verdacht auf einen Knochenbruch (etwa ein verdrehtes, verkürztes Bein nach einem Hüftsturz), bei Lähmungserscheinungen oder wenn die Person nicht mehr aufstehen kann. Im Zweifel gilt: lieber einmal zu viel anrufen.
Nicht jeder Sturz ist ein Notfall – aber manche Warnzeichen gehören ärztlich abgeklärt, auch wenn äußerlich nichts passiert ist. Suchen Sie zeitnah ärztlichen Rat, wenn:
- Sie wiederholt stürzen oder beinahe stürzen
- Schwindel, Benommenheit oder „Schwarzwerden“ vor den Augen auftreten
- sich Ihr Gang plötzlich verschlechtert oder die Beine unsicher werden
- Sie kurz das Bewusstsein verloren haben
- neue Medikamente seit Kurzem müde oder benommen machen
Hinter solchen Beschwerden können Ursachen stecken, die sich gut behandeln lassen – vom Blutdruck über die Medikamente bis zur Sehkraft. Eine ärztliche Abklärung, oft ergänzt durch einen Medikamenten-Check und einen Sehtest, gehört deshalb zur Sturzprävention dazu. Physiotherapie ersetzt diese Diagnostik nicht, sondern arbeitet Hand in Hand mit ihr.
Verordnung, Kasse und Präventionskurse: was übernommen wird
Wer Kraft und Gleichgewicht trainieren lassen möchte, fragt sich schnell: Zahlt das die Kasse? Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an, ob ein medizinischer Grund vorliegt. Reine Vorbeugung ohne Erkrankung ist in der Regel keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung – die Behandlung bei bestehender Sturzgefahr dagegen schon.
Liegt eine ärztliche Diagnose vor, die mit Sturzgefahr einhergeht – etwa nach Erkrankungen, bei deutlicher Gangunsicherheit oder Gleichgewichtsstörungen –, kann die Ärztin oder der Arzt Krankengymnastik verordnen. Dann übernimmt die Kasse die Behandlung; es bleibt der übliche gesetzliche Eigenanteil, von dem Sie sich unter bestimmten Voraussetzungen befreien lassen können. Steht ein Hausbesuch-Vermerk auf der Verordnung, ist auch die Behandlung zuhause abgedeckt.
Geht es um reine Vorbeugung, führen zwei Wege zum Ziel. Viele Krankenkassen bezuschussen zertifizierte Präventionskurse nach § 20 SGB V – darunter Kurse für Kraft, Gleichgewicht und Sturzprophylaxe. Welche Kurse anerkannt sind und wie hoch der Zuschuss ausfällt, ist von Kasse zu Kasse verschieden; ein kurzer Anruf bei Ihrer Krankenkasse schafft Klarheit. Daneben ist Training als Selbstzahlerleistung jederzeit möglich, individuell und ohne Wartezeit.
| Weg | Voraussetzung | Wer zahlt |
|---|---|---|
| Krankengymnastik auf Rezept | ärztliche Verordnung bei Erkrankung oder Sturzgefahr | Krankenkasse (gesetzlicher Eigenanteil) |
| Präventionskurs nach § 20 SGB V | zertifizierter Kurs, keine Diagnose nötig | Kasse bezuschusst (Höhe variiert) |
| Individuelles Training | kein Rezept, freie Terminwahl | Selbstzahler |
Im Zweifel kurz nachfragen
Ob in Ihrem Fall eine Verordnung möglich ist oder ein bezuschusster Kurs der bessere Weg, lässt sich schnell klären: Sprechen Sie Ihre Hausarztpraxis und Ihre Krankenkasse an. Wir beraten Sie gern, welcher Weg zu Ihrer Situation passt.
Sturzprävention in Gelsenkirchen – auch als Hausbesuch
Sturzprävention entfaltet ihre Wirkung dort, wo Sie leben. Bei Physio2Go im Neumarkthaus in der Gelsenkirchener Altstadt trainieren wir mit Ihnen Kraft, Gleichgewicht und einen sicheren Gang – in unserer Praxis oder als Hausbesuch bei Ihnen zuhause, in allen Stadtteilen Gelsenkirchens.
Gerade beim Thema Stürze ist der Hausbesuch mehr als bequem. Wir gehen mit Ihnen die Wohnung durch und entschärfen Stolperfallen genau dort, wo sie im Alltag lauern – an der Treppe, im Bad, auf dem nächtlichen Weg zur Küche –, und trainieren in Ihrem gewohnten Umfeld. Auch Angehörige beziehen wir gern mit ein, denn Sicherheit zuhause ist Teamarbeit.
Der beste Zeitpunkt vorzubeugen ist, solange es noch gut läuft. Vereinbaren Sie einen Termin – telefonisch oder über unser Kontaktformular – und wir finden gemeinsam heraus, wie Sie sicherer durch Ihren Alltag kommen.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter ist Sturzprävention sinnvoll?
Es gibt kein festes Alter. Sinnvoll ist Sturzprävention immer dann, wenn Kraft, Gleichgewicht oder Sicherheit nachzulassen beginnen – häufig ab etwa 65 Jahren, bei Vorerkrankungen oder nach einem ersten Sturz auch früher. Wer rechtzeitig anfängt, profitiert am meisten, weil sich Kraft und Gleichgewicht leichter erhalten als später wieder aufbauen lassen.
Welche Übungen helfen am besten gegen Stürze?
Am besten belegt ist die Kombination aus Kraft- und Gleichgewichtstraining. Dazu gehören Aufstehen vom Stuhl ohne Hände, Stand- und Tandemübungen, Wadenheben und das Üben eines sicheren Gangs. Wichtig ist die langsame Steigerung an einer stabilen Haltemöglichkeit. Auch Übungsformen wie Tai-Chi haben sich als wirksam erwiesen.
Kann man das Sturzrisiko durch Training wirklich senken?
Ja, das ist gut untersucht. Studien – zusammengefasst etwa vom IQWiG – zeigen, dass strukturiertes Gang-, Gleichgewichts- und Krafttraining Stürzen vorbeugen kann. Eine Garantie ist das nicht, aber ein deutlicher und verlässlicher Nutzen. Am wirksamsten sind Programme, die mehrere Risikofaktoren zugleich angehen.
Wie oft sollte man Gleichgewicht und Kraft trainieren?
Als Faustregel gilt: lieber regelmäßig und in kleinen Dosen als selten und viel. Mehrmals pro Woche Gleichgewichtsübungen und zwei- bis dreimal wöchentlich Krafttraining sind ein guter Rahmen. Entscheidend ist die Kontinuität – schon wenige Minuten täglich, fest in den Alltag eingebaut, wirken auf Dauer.
Welche Medikamente erhöhen das Sturzrisiko?
Vor allem Mittel, die müde oder benommen machen oder den Kreislauf beeinflussen – etwa bestimmte Schlaf- und Beruhigungsmittel, einige Psychopharmaka sowie Blutdruck- und Entwässerungsmittel. Auch die Einnahme vieler Präparate gleichzeitig erhöht das Risiko. Ändern Sie Ihre Medikamente nie eigenmächtig, sondern lassen Sie sie ärztlich überprüfen.
Was muss ich nach einem Sturz tun – wann zum Arzt?
Wählen Sie 112 bei Bewusstlosigkeit, Verwirrtheit, Kopfaufprall, starken Schmerzen oder Verdacht auf einen Knochenbruch. Auch ohne sichtbare Verletzung gehören wiederholte Stürze, Schwindel oder eine plötzlich verschlechterte Gangsicherheit ärztlich abgeklärt – dahinter können behandelbare Ursachen stecken.
Zahlt die Krankenkasse Sturzprävention oder Präventionskurse?
Reine Vorbeugung ohne Erkrankung ist meist keine Kassenleistung. Liegt aber eine Diagnose mit Sturzgefahr vor, kann Krankengymnastik ärztlich verordnet werden – dann zahlt die Kasse bis auf den gesetzlichen Eigenanteil. Für reine Prävention bezuschussen viele Kassen zertifizierte Kurse nach § 20 SGB V; fragen Sie dazu am besten direkt bei Ihrer Kasse nach.
Bietet Physio2Go Sturzprävention als Hausbesuch in Gelsenkirchen an?
Ja. Wir trainieren Kraft, Gleichgewicht und sicheres Gehen auch bei Ihnen zuhause, in allen Gelsenkirchener Stadtteilen, und schauen beim Wohnungs-Rundgang nach Stolperfallen. Ist die Behandlung ärztlich verordnet und mit Hausbesuch-Vermerk versehen, übernimmt die Kasse auch den Hausbesuch; als reine Prävention ist er als Selbstzahlerleistung möglich.
Quellen
- Stürze (ab 65 Jahre) – Robert Koch-Institut (RKI), Gesundheitsberichterstattung des Bundes
- Sturzprävention im Alter – Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG, vormals BZgA)
- Was ältere Menschen tun können, um Stürzen vorzubeugen – Gesundheitsinformation.de (IQWiG)
- Erste globale Sturzleitlinie (2022) – Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG)
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Fachlich geprüfte Ratgeber des Physiotherapie-Teams von Physio2Go im Neumarkthaus. Wir behandeln in unserer Praxis in der Gelsenkirchener Altstadt und als Hausbesuch in ganz Gelsenkirchen.
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